SELEX Communications Light-Patrol Headset

 

So ziemlich jedes AS-Team hat kleine Funkgeräte für den Truppfunk (Funk innerhalb eines Trupps oder Gruppe) in Benutzung. Doch daraus ergeben sich nicht nur die offensichtlichen Vorteile, wie hoher Informationsgewinn und bessere Koordination der Gruppe, sondern auch einige Nachteile. Ohne ausreichende Funk- und Meldedisziplin bricht schnell Verwirrung und Chaos auf dem Äther aus. Der Truppführer ist höherem Streß ausgesetzt, da er entscheiden muß welche Informationen wichtig sind und was er mit dem restlichen „Müll“ macht. Zudem verleitet Funk in der Gruppe dazu Handzeichen zu vernachlässigen und Aktionen zu kommentieren, was völlig unnötig ist. Dazu kommt noch der Fakt daß die Tätigkeit „funken“ meist auch etwas mit fummeln an der Ausrüstung (PTT-Taster) zu tun hat, mit allen Auswirkungen auf den Funkverkehr, wie plötzliches „anklingeln“ und „durchdrücken“ eines Kanals.

 

Dennoch: Ein gut eingespielter Trupp ist durchaus in der Lage effektiv mit Gruppenfunk zu arbeiten. In der Regel wird dies ein PMR Gerät sein, da es billig, entbehrlich und leicht ist, dazu mit 0,5 Watt Sendeleistung eine ausreichende Leistung besitzt. Immerhin geht es nur um die Koordination des eigenen Trupps, womit eine Reichweite von 300-400 Metern im bewaldeten Gelände akzeptabel ist. Dazu kommt daß PMR Geräte anmelde- und gebührenfrei sind.

 

Natürlich hätte man auch das SEM-52 ins Auge fassen können, doch bietet dieser Klotz keinen Vorteil gegenüber einem PMR. Das hohe Gewicht, die mickrige Reichweite, Technik aus den 70ern und mangelndes Zubehör wie Headsets lassen das SEM52 von vornherein ausscheiden. Zudem ist die Benutzung in Deutschland nicht legal — in unserem Fall (nur Auslandsspiele) könnten wir damit nicht hier trainieren.

 

Interessanter Weise haben sich viele GI‘s im Irak auf eigene Kasse simple PMR-Funken zugelegt um sich untereinander verständigen zu können...

 

Das alles steht und fällt mit dem benötigten Headset für das PMR. Der Markt ist voll mit Headsets und ich selbst habe schon unzählige Modelle ausprobiert. Begonnen vom einfachen „Knopf im Ohr‘ für 9 EUR (hat ca. 30 Minuten einer kampflosen Patroullie überlebt), bis zum 60 EUR teuren Kehlkopfmikrofon mit Schallschlauch. Es sind immer wieder dieselben Probleme:

-        geringe Qualität, geringe Stabilität der Konstruktion

-        teilweise stark eingeschränktes Hörvermögen

-        schlechte Sprachqualität

-        zu kleine PTT- Taster

-        instabile Kopfhalterungen, Headset bleibt nicht am Platz

-        Inkompatibilität mit Helmen

-        zu kurze, zu dünne oder zu weiche Kabel

-        System nur schwer abzulegen (Headset nicht vom Rest trennbar)

-        keine bis kaum vorhandene Wasserresistenz

 

Nach langem Suchen (und Fluchen) habe ich zumindest für mich persönlich die Lösung gefunden: das britische Light-Patrol-Headset von SELEX Communications.

 

 

Bowman ist ein Funkkommunikationssystem des britischen Militärs, welches Funk (inklusive Datenfunk) auf allen taktischen Ebenen realisieren soll. Im System vorhanden ist das so genannte PRR (Personal RoIe Radio) — Funkgerät auf Verwendungsebene. Ein kleines Funkgerät, welches Truppführer, Bedienerpersonal von Schwerpunktwaffen und Fernmelder mit einander verbindet. Etwa mit den Abmessungen eines Motorola, stellt das PRR die unterste taktische Ebene des Bowman dar.

 

Für dieses Gerät (aber auch kompatibel mit dem Rest der Bowman Familie) wird von der Firma SELEX das Light-Patrol-Headset gefertigt. Die Herstellerangaben klingen vielversprechend: Wetterfest gegenüber Schnee, Regen, Matsch bis zu Temperaturen von -20 Grad, Geräuschfilter (Mikrofon) geeignet für mittlere bis hohe Windgeschwindigkeiten, Gasmaskenadaper, Gewicht 130 Gramm u.s.w.

 

Die Konstruktion ist einfach wie genial: Ein stabiles Plastikgehäuse (Basisplatte) nimmt den Lautsprecher sowie den Mikrofonfuß auf. Auf der Kopfseite sorgt ein breiter Schaumstoffgefütterter Kunstlederring für den nötigen Komfort und etwas Abstand zwischen Lautsprecher und Ohr. Dieser Abstand fällt gering genug aus um das Gerät sehr flach zu halten, aber hoch genug um auch Umgebungsgeräusche zum Ohr vordringen zu lassen. Diese dringen durch zwei große Aussparungen im Basisgehäuse in den Hörer ein.

 

   

 

Beim Mikrofon handelt es sich um ein hochwertiges elektrisches Mikro, welches in einem stoßfesten Plastikgehäuse sitzt. Vorn und hinten wird es von einem sehr engmaschigen Metallgitter geschützt, so daß lästige Schaumstoffstopfen als Windstopper entfallen.

 

 

Mit dem Basiskörper wird das Mikro über einen flexiblen Metallschlauch verbunden, welcher zusätzlich gummiert ist.

 

Am Kopf hält das Ganze über ein cleveres Bandsystem. Ein Gummiband von der vorderen Gehäuseseite läuft um die Stirn und den restlichen Kopf und endet wieder am Gehäuse. Damit das Gerät aber auch bei Erschütterungen (z.B. durch Rennen) dort bleibt wo es hin gehört wurde nochmals ein Querband über den Kopf angebracht. Das Band ist wesentlich breiter und mit einem Mesh-Gewebe verwebt.

 

Insgesamt eine sehr sichere, wackelfeste und wirklich militärisch brauchbare Lösung.

 

   

 

Die Trageversuche fielen sehr überraschend aus. Das Gerät ist mit seinen 130 Gramm nicht nur leicht, das Tragesystem läßt den Benutzer dieses Gewicht kaum spüren. Nach ein paar Minuten hat man schon vergessen daß man es überhaupt trägt. Soweit so gut, wie steht es mit einem Bonie darüber? Kein Problem, das Bonie endet direkt über dem Hörer. Und Helm ? Auch hier gab es keine Probleme mit dem Patrol-Headset. Etwas störend ist jedoch daß man die linke Seite des Helmverschlusses weiter stellen muß, damit es paßt. Aber kein großes Problem.

 

           

 

Soweit so gut, ich hatte also endlich das Headset gefunden daß ich seit Jahren suchte. Nur eine kleine Unwegsamkeit war da noch — der Anschluß. Der bestand aus einem 5-poligen Anschluß zum PTT-Taster.

 

Also ab zum Funkshop. Nach einem kurzen Plausch war klar was ich suchte, Spiralkabel und ein trennbarer PTT. Die Teile waren schnell bestellt und den unüblichen Anschluß konnte ich schnell umlöten. Das Ergebnis kann sich sehen lassen:

 

Das Headset ist mit einem Spiralkabel mit dem PTT Taster verbunden, diese Verbindung ist abkoppelbar. Der Taster an sich hat einen Durchmesser von 5cm, ist also auch im größten Gefechtsstreß kaum zu verfehlen. Vom Zaster zum Funkgerät führt wieder ein Spiralkabel, ebenfalls trennbar.

 

Fazit: Endlich Ein System das alle meine Anforderungen erfüllt. Ich denke das wird das letzte Headset sein daß ich mir zugelegt habe. Klar, nicht ganz billig — aber immer noch unter 100 EUR—und von Dauer.

 

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