Miltec Nässeschutzjacke

Mit Vorurteilen ist das so eine Sache - manchmal beschützen sie einen vor Fehlern, manchmal stehen sie einem nur im Weg. So ist das auch bei Produkten der Firma Miltec. Nicht umsonst spricht man manchmal von Mülltec - und JA - Miltec produziert einiges an schlechter Ausrüstung. Das fängt bei den Materialien an und endet bei der Verarbeitung. Nun ist es kein Geheimnis daß Miltec unter seinem Namen "Sturm" auch dienstlich ausgegebene Ausrüstung nach TL für die BW produziert. So hatte ich schon Magazintaschen in der Hand, die keinen Deut schlechter waren als z.B. solche von den Schleswiger Tauwerken. Dennoch bedurfte es einigen "mutigen" Kameraden die sich trauten knapp 100 EUR in diese Nässeschutzjacke zu investieren bevor auch ich mich überzeugen ließ. Zuerst belächelte ich die Jungs etwas: "Schönwettersoldaten, was ? Schon mal im Regen angehabt das Teil ?", doch ich stellte zu meiner Überraschung fest daß MilTec hier ein hochwertiges Produkt am Markt hatte - wenn auch zu einem hohen Preis.

Stellt sich zuerst die Frage - was erwarte ich denn von einer Nässeschutzjacke ? Zunächst sollte sie optimal vor Regen und Wind schützen - und zwar egal wie lange und stark es regnet. Ein weiterer Punkt ist die Atmungsaktivität - ist die nicht gewährleistet ist es so als würde man sich einen Gummianzug anziehen - bei körperlicher Anstrengung schwitzt man und ist sowohl von außen als auch innen klatschnaß. Was folgt muß ich nicht groß ausmalen, man fängt an zu frieren u.s.w. Des weiteren muß die Jacke genügend Taschen und Staumöglichkeiten bieten um die benötigte Ausrüstung nicht von der 1st in die 2nd Line verschieben zu müssen.

Für den Soldaten gibt es einige Möglichkeiten sich mit Jacken halbwegs trocken zu halten - da wäre einmal der waterproof Smok von Arktis. Der Hat zwar genügend Taschen, ist aber nicht atmungsaktiv und wesentlich teuerer als die Nässeschutzjacke. Und dann haben wir noch - nicht zu vergessen - den dienstlich gelieferten Goretex-Anzug. Der ist von der Sache her nett, aber im Grunde nichts weiter als ein raschelnder Sack mit zwei Taschen (suuuper...).

Was macht die MilTec Nässeschutzjacke nun so anders ?

Zunächst das Material. Es handelt sich hierbei ebenfalls um ein atmungsaktives 3 Lagen Laminat: 1.Lage: 100 % Polyamid, 2.Lage: 100 % Polyester (Membran), 3.Lage: 100 % Polyeter. Insgesamt ein recht steifes, aber robustes Gewebe. Das Innenfutter besteht aus 100% Polyester.

Im Gegensatz zu manch anderem MilTec Produkt sind die Farben diesmal ordentlich getroffen und haben den sonst so prägnanten "Gelbstich" nicht.

    

Gehen wir mal von oben nach unten: Die Jacke besitzt eine einrollbare Kapuze, die im Kragen Platz findet. Der ist übrigens sehr hoch schließend und über einen Gummikordelzug verstellbar.

   

Öffnet man die vier robusten Druckknöpfe des Kragens kommt die Kapuze zum Vorschein, die sehr groß ausgefallen ist. Genau genommen hat sie Helmgröße, was ein enormer Vorteil ist. Am Kapuzenansatz ist natürlich ein beidseitig verstellbarer Kordelzug mit Gummi. Im vorderen Bereich ist eine Ausbuchtung, eine Art "Schieber" wie von einer Mütze angebracht, die sich jedoch per Klett nach oben wegklappen läßt. Hinten ist die Kapuze über ein 1,5cm breites Nylonband und eine Schnalle verstellbar. Damit kann es nicht passieren daß einem die Kapuze ins Gesicht rutscht. Warum das Band schwarz sein mußte entzieht sich jedoch meinem Verständnis. Um dem Träger noch mehr Einstellungsmöglichkeiten zu gewähren existiert auf der Oberseite der Kapuze ein weiterer Gummikordelzug. Hier soll offenbar nichts dem Zufall überlassen werden.

         

Der Jackengrundkörper fällt relativ schlicht aus, im Brustbereich ist ein kleiner überlappender Stoffstreifen zu sehen, der jedoch keine Lüftungsfunktion besitzt (wie zunächst angenommen), sondern wohl eher der Optik dient. Verschlossen wird die Jacke mit einem Reissverschluß mit mittlerer Zahnung - das ist soweit ok - zumindest um Längen besser als der fummelige RV des dienstlich gelieferten. Ähnlich ist jedoch die überlappende Reißverschlußabdeckung, die insgesamt mit sieben Druckknöpfen geschlossen werden kann. Auch hier ist im Halsbereich eine große Verstärkung zu beachten.

   

Im Brustbereich ist eine Schlaufe für das Dienstgradabzeichen angebracht, die per Klett geschlossen werden kann. Im Unteren Bereich prangen zwei große, aufgesetzte Taschen, die mit zwei Druckknöpfen verschlossen werden. Leider handelt es sich nicht um Blasebalgtaschen, was das Volumen doch sehr einschränkt. Doch zumindest haben die Entwickler an den kleinen Stoppelhopser gedacht und hinter den Taschen zwei Eingriffe gesetzt, in die man seine Hände stecken kann. Den unteren Abschluß bietet wieder ein beidseitig verstellbarer Gummikordelzug.

   

Doch damit sind wir mit dem Hauptkörper noch nicht fertig. Schaut man sich die Innenseite genauer an ist man angenehm überrascht. In Tallienhöhe ist ein ca. 5cm breites, gerafftes Band aus dem Futtermaterial (das sich übrigens sehr angenehm trägt) zu sehen. Es umläuft die ganze Tallie und kann vorn mit vier Druckknöpfen verschlossen werden. Der Sinn ist einfach - das ist ein Windbreaker. Sollte doch mal ein kaltes Lüftchen unter die Jacke fahren ist an dieser Stelle Schluß. Wirklich gut mitgedacht ! Doch damit nicht genug - unterhalb (also in Arschhöhe) ist ein langer Reißverschluß in den Futterstoff eingelassen, der Zugriff dahinter bietet. Das soll wahrscheinlich in der Art einer Wilderertasche aussehen. Leider ist der Futterstoff nicht noch mal abgetrennt, so daß man durch diese Tasche im Grunde hinter den Futterstoff der ganzen Jacke greifen kann. Gefährlich - so können Kleinteile durch die ganze Jacke wandern bis man sie schließlich verloren hat. Auf der linken Seite - ein kleiner Reißverschluß. Er führt in eine Innentasche hinter den Futterstoff - und die ist einzeln abgetrennt. Sehr gut.

       

Etwa in Brusthöhe befinden sich nochmal zwei Innentaschen, eine links, eine rechts. Schlecht jedoch: der Zugang per Reißverschluß ist direkt in die überlappende Falte des Jackenverschlußes genäht. Das bedeutet - will man an die Taschen muß man zwangsläufig zumindest zwei der Druckknöpfe öffnen. Der Hauptreißverschluß bleibt zwar geschlossen, ein einfacher Durchgriffreißverschluß wäre jedoch praktischer gewesen, denn so bedeutet es nur unnötige Fummelei.

Die Arme: Sehr positiv ist zu bemerken daß an den Ärmeln die Ellenbogen doppelt mit Stoff besetzt sind. Zudem befindet sich auf der Arminnenseite ein 2-Wege-Reißverschluß zur Klimatisierung. Der ist sogar extra noch mal mit einer Schutzmembran aus Gummi versehen - hier wurde nicht gespart. Die Bündchen lassen sich per Klett verstellen - wie beim dienstlich gelieferten. Während der rechte Ärmel recht schlicht davon kommt, hat man dem linken eine kleine aufgesetzte Tasche mit Druckknopf spendiert. Aber auch hier gilt - zu klein. Gerade an den Armen hätte ich mir zwei größere Taschen gewünscht. Zumindest sind beide Seiten mit großen Klettflächen bestückt, für das Nationalitätsabzeichen (das auf Klett übrigens beiliegt) oder andere Aufnäher.

       

Praxistest: Im Feld hat die Jacke überzeugt. Sie isoliert (minus 5 Grad C, ECWCS Unterhemd und die Jacke drüber = warm). Einen mehrstündigen Nieselregen hat sie ebenfalls problemlos abgehalten. Von mir selbst noch nicht getestet, aber von Kameraden bestätigt: sie hält auch einen "richtigen" Regen aus. In Sachen Atmungsaktivität muß ich die Jacke ebenfalls loben - ohne die Durchsatzrate des Laminats zu kennen bescheinige ich ihm eine bessere Atmungsaktivität als den alten, dienstlich gelieferten Teilen. Schlecht an der Jacke - sie raschelt genau so stark.

Fazit: Ich möchte sie nicht mehr missen, auch wenn über 100 EUR für eine Nässeschutzjacke verflixt viel Geld ist. Der Unterschied zur dienstlich gelieferten fällt zwar deutlich aus, dennoch kein Grund seinen BW Nässeschutz wegzuwerfen. Denn in der schlichten Funktion nehmen sich beide (wenn ordentlich gepflegt) nicht viel.

 

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