Condor Tactical Sling Bag Wir alle kennen die Situation: Man hat im Zivilleben etwas zu tun und denkt sich "Hey, da hab ich doch den idealen Ausrüstungsgegenstand für". Der Griff geht in die militärische Ecke und nicht immer ist das die glücklichste Wahl die man treffen kann. Schnell grenzt es an Overkill oder der Gegenstand ist im zivilen schlichtweg nicht zu gebrauchen. Längst hat sich bei mir eine Ausrüstungsrubrik "Dual-Use" gebildet, die heute um den Condor Tactical Sling Bag erweitert wird. Die Besonderheit: Der TSB ist direkt als Dual-Use geschaffen entwickelt worden, er soll die Nutzung im zivilen, wie im militärischen zulassen. Der erste Überblick zeigt schnell den größten Unterschied zu herkömmlichen Rucksäcken und den Namensgeber - den einzelnen Schultergurt. Dieser "Sling" ist mittig angebracht und kann sowohl quer über die linke, wie rechte Schulter getragen werden. Zu den Verstellmöglichkeiten später mehr. Das Material des TSB ist überwiegend Cordura, jedoch unbeschichtet, weshalb die Innenräume des Packs großzügig mit wasserfestem Nylon ausgekleidet wurden. Gurtband und Schnallen sind von ordentlicher Qualität, alle Zipper haben Griffhilfen, alle Nähte sind sauber verarbeitet und scheinen haltbar zu sein. Der Rücken ist stark gepolstert und mit Mesh ausgekleidet, was bei längerem tragen jedoch zum schwitzen verführt. Das Volumen liegt bei (geschätzten) 30 Litern, was man jedoch durch die umfangreichen MOLLE/PALS Aufnahmen noch steigern kann. Gehen wir systematisch vor: An die eben erwähnte Rückenpartie ist der Schultergurt mittig vernäht. Dieser ist oben satte 13 cm breit und verjüngt sich nach unten in Tropfenform. Oben findet sich ein 25mm Gummiband (zur Fixierung eines Trinkschlauchs z.B. sowie ein Metall D-Ring. Mit dem ebenfalls oben angebrachten Steckverschluss kann man das Pack noch komprimieren, dazu später mehr. Im unteren Bereich finden sich drei MOLLE Reihen mit je zwo Schlaufen, der ideale Platz um eine Handytasche etc. zu befestigen. An dem mittig gelagerten, senkrecht verlaufenden Gurtband kann auf gewünschter Höhe mittels Dreistegverriegelung ein Steckverschluss angebracht werden, er dient zur Aufnahme des seitlichen Gurts, welcher allerdings nur eine (empfehlenswerte) Option darstellt. Der Träger an sich ist gepolstert aber nicht so wabbelig weich wie der Rücken, sondern angenehm hart und dünn. Obwohl hier eindeutig eine Verstärkung eingenäht wurde ist er in Längsrichtung weich genug um sich dem Körper gut anzupassen, in Querrichtung steif genug um sich nicht zu verdrehen oder seine Form zu verlieren. Kommen wir zurück zur Rückenpartie und damit dem eigentlichen Bag. Der Rücken bietet schon ein nettes Feature, in Form von zwei Einschubtaschen an den Seiten. Die sind erstaunlich großzügig bemessen und im Inneren mit einem Stück Flauschklett versehen. Zweck? Unklar. Der Bag an Sich ist in mehreren aufeinander genähten Lagen entworfen, weshalb wir sie auch so unter die Lupe nehmen wollen. Die erste Stufe ist natürlich auch das größte Fach. Seine Aussenwände sind seitlich mit 6 Reihen Molle versehen, die sich von unten nach oben verjüngen von 4 auf 3 Schlaufen. Realistisch betrachtet ist das eine Menge Platz für Zusatztaschen. Auf der Oberseite findet sich hier noch ein gepolsterter Tragegriff (Polsterung abnehmbar) und eine per Klett verschlossene Abdeckung für den Trinkschlauch. Die ist groß genug das auch voluminösere Mundstücke durchpassen. Das Hauptfach lässt sich mit zwei Steckschließen komprimieren und auch nochmal über ein "Dreieck" an der Oberseite anziehen. In reiner Frontloader-Manier lässt sich das Hauptfach komplett öffnen. Der Innenraum überrascht. Die beiden Ösen im Boden sind für den Wasserablauf in einem Rucksack zwar unüblich, richtig mysteriös wird es aber beim Blick auf die Trennwand zwischen dem "Wasserblasenressort" und dem Hauptfach. Man kann die Trennwand ordentlich per Steckverschluss festziehen, das ist soweit auch okay. Aber wozu ist die Wand gepolstert und wozu prangen hier 4x9 Schlaufen MOLLE/PALS? Zwar gibt das Hauptfach genug Platz her um auch innen Taschen befestigen zu können, aber ist das sinnvoll? Nun das muß jeder selbst wissen. Auf der gegenüberliegenden Seite findet sich eine große Netztasche. Auch wenn das Netz nicht die ganze Fläche umfasst, gibt die Öffnung den ganzen Stauraum frei, durch das Netz sieht die Tasche also kleiner aus als sie ist. Man bekommt problemlos DIN A4 Unterlagen hinein. Die nächste, aufgesetzte Tasche lässt sich ebenfalls vollständig öffnen und gibt den Blick auf (beide Seiten) 4 Netztaschen frei. So ein Netztaschenfach ist etwas Nützliches für Kleinkram den man schnell wiederfinden will, und mehr Platz als für Kleinkram gibt die Tasche leider auch nicht frei. Schade, zwei, drei Zentimeter mehr Volumen in der Tiefe wären hier echt wünschenswert gewesen. Nichts destotrotz - gute Idee! Das letzte aufgesetzte Fach lässt sich nur zu 2/3 öffnen und beherbergt ein Einschubfach mit kleinem Karabiner, und mehrere Netz- und Einschubtaschen. Auch ein Stiftköcher ist dabei. Okay, da bekommt man dann auch den letzten Kleinkram unter. Auf der Front des Rucksacks findet sich eine 15x10cm große Klettfläche und 4x5 Reihen MOLLE/PALS. Da die aufgesetzten Taschen recht schmal sind und durch die "Eiform" des Rucksacks kaum spiel haben, sollte man hier auch weitere MOLLE Taschen recht schlackerfrei anbringen können. Stellt sich natürlich die Frage nach dem Tragekomfort. Der ist überraschend gut! Durch den breiten Träger verteilt sich die Last sehr gut auf der Schulter und dank des Seitengurts kommt der Rucksack auch nicht ins wackeln. Er klebt regelrecht auf dem Rücken, eine Eigenschaft die nicht jeder "normale" Rucksack von sich behaupten kann. Getestet wurde der Bag bei einer durchschnittlichen Beladung von 7 Kilo auf einer (zivilen) Tagestour. Er trug sich durchweg angenehm und auch die Befürchtungen daß die Schulter durch die einseitige Belastung irgendwann müde wird, waren unbegründet. Zur Not hätte man binnen kürzester Zeit ja die tragende Seite wechseln können, einmal umstecken und fertig. Einziger Kritikpunkt - man schwitzt unter dem Mesh gewaltig. Ob das mit einem anderen Rucksack anders ausgesehen hätte, war nicht zu überprüfen. Daß der TSB alltagstauglich ist, das haben wir nun ausreichend bewiesen, stellt sich nur die Frage nach der militärischen Nutzbarkeit. Hier ist seine Besonderheit - der einzelne Träger - auch sein größter Vorteil. Der Bag, irgendwo im Fahrzeug zwischen die Sitze gestopft, kann schnell gegriffen und einfach übergeworfen werden. Man stelle sich einen Hinterhalt vor in dem man das Fahrzeug schnell verlassen muß. Hier gibt es kein umständliches Träger aufsetzen, man schlüpft einfach nur rein und hat die Hände sofort wieder frei. Natürlich hat der Bag auch seine Grenzen - als militärischer Patrolpack ist er nicht geeignet. Dazu fehlt es einfach an Platz für mehr Zuladung. Auch liegt der Träger quer über der Brust so dass man beim schießen (zumindest nach nSAK) unweigerlich auf den Träger aufsetzen muss. Aber machen wir uns nichts vor, das spielt in der Praxis keine Rolle. Fazit: Der Condor Tactical Sling Bag (zu beziehen von www.recon-company.com) ist ein gut durchdachter, gut ausbalancierter und wirklich überzeugender Dual-Use Rucksack. Gerade die Möglichkeit zur Erweiterung auf MOLLE Basis und der hohe Tragekomfort durch den einzelnen Träger rechtfertigen den Preis von 99 EUR. Im militärischen spielt er durch die schnelle Anlegbarkeit seine Stärken aus, im Zivilen ist der einzelne Träger ein Hingucker. Die vielen kleinen Features und die Liebe zum Detail runden das Bild ab und hinterlassen einen durchweg positiven Eindruck.
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