Camillus / Becker BKT Campanion BK 2

Dieses Review wurde uns von Dusty Dragon zur Verfügung gestellt. Vielen Dank !

 

Vor ca. einem ¾ Jahr kam ein befreundeter US-Ranger aus dem Einsatz zurück und zeigte mir, ein bis dato für mich unbekanntes, Messer, was ihn während seines Einsatzes treu begleitet hat. Dem ersten Anschein nach (Klingenform, Griffform und Oberflächenbeschichtung) hielt ich es für ein "Busse" oder ein "Swamp Rat". Jedoch bei näherer Betrachtung, konnte ich auf der Klinge den Eindruck:

 

BK&T Campanion

Camillus, New York USA

 

erkennen. Herstellerfrage also geklärt. Ethan Becker, der Begründer von BK&T hatte schon mehrere Survival/Allzweckmesser entworfen und arbeitet seit mehren Jahren mit dem Traditionshersteller "Camillus" zusammen. Nach ein paar flehenden Blicken überlies mir mein Kamerad sein Messer, da er aus dem Dienst ausschied und mein Sammlerherz beglücken wollte. Somit hatte ich auch Gelegenheit meine eigenen Erfahrungen mit dem Messer zu sammeln. Doch nun zum Messer selbst:

 

 

Auf den ersten Blick kann man unschwer erkennen, dass es sich nicht um ein reines Kampfmesser handelt, eher um eine Mischung aus Utility Knife und kleinem Beil/Machete. So geformte Allzweckmesser sind für den härtesten Einsatz im Feld, bei der Jagd und allen anderen Outdooraktivitäten konzipiert.

 

Das Messer besteht aus 0170-6 High Carbon Tool Steel mit einer Rockwellhärte von 58–59 RC. Die Klinge und Angel sind matt schwarz epoxit beschichtet. Die Klinge ist 13,3 cm lang und 5,5(!) mm stark, sie verjüngt sich erst auf den letzten 2,5 cm zur Spitze hin. Gesamtlänge des Messers ist 26,9 cm. Es wiegt rund 420 Gramm. Wegen Ihrer Dicke und trotzdem auch Schärfe kann sie vom filigranen Schnitt bis zum Brecheisen alle gestellten Aufgaben erfüllen. Hinzu kommt die Zähigkeit des Stahls, der ein Abbrechen gefährdeter Klingenstücke (z.B. der Spitze) verhindert.

Die zwei mit insgesamt 3 Inbusschrauben/Kontermuttern auf die durchgehende Klinge geschraubten Griffschalen bestehen aus einem in der Schweiz hergestellten GV6H Glasfaserpolymerthermoplast, zu deutsch, einem extrem widerstandsfähigem und rutschsicherem Kunststoff. Die Inbusschrauben und Kontermuttern, die die Griffschalen halten, sind schwarz brüniert. Aber im Gegensatz zu aufgespritzten Gummigriffen (z.B. CS Recon Tanto, Gerber Bowie, etc.) klebt er nicht ganz so in der Hand und beugt so einer verfrühten Blasenbildung an den Handflächen vor. Ebenso lässt sich das Messer sehr gut in der Hand drehen und schwingen, man kann also gute Hiebbewegungen damit ausführen (Holzmachen etc.). Der Griff besitzt am hinteren Ende eine Art Nase, die ein Aus-der-Hand-Gleiten des Messers bei der Hiebbewegung verhindert. Ebenso besitzt er ein Loch für einen Fangriemen. Der Abschluss des Griffes kann als Scheibenzertrümmerer, "Skullcracker" oder Hammer fungieren. Die Griffschalen sind ergonomisch geformt, ohne jedoch einzelne Fingerrillen aufzuweisen, was ich sehr gut finde, denn so kommen sowohl kleine, wie auch große Hände mit dem Griff gut zurecht, ohne in Fingerrillen zu verschwinden oder sich hineinquetschen zu müssen.

 

Mein Modell besitzt eine 5,5 cm lange Kappklinge (serrated edge) am hinteren Ende der Gesamtklinge. In Deutschland konnte ich 2 Shops finden, die das BK&T Campanion BK 2(oftmals im I-Net auch falsch als "companion " betitelt) vertreiben. Es sind dies: http://www.bekleidungskammer.de und http://www.rentaknife.de .

 

Das Messer kostet bei beiden Händlern ca. 100€ (in den USA zwischen 76$-120$), ist allerdings scheinbar nur mit "plain edge" zu bekommen. Wobei auch in den Staaten bei Messerhändlern fast ausschließlich Modelle mit "plain edge" zu finden sind. Laut Aussage des Ranger-Kameraden handelt es sich bei der Version mit "serrated edge" um eine, nach Anforderungen der Ranger, hergestellte Version für den Dienstgebrauch innerhalb der Truppe. Die zivilen Modelle hätten alle "plain edge" und alle vertriebenen Modelle mit "serrations" stammen aus Militärbestand oder Überproduktion von Camillus/BK&T. Hierzu kann ich nichts sagen und verlasse mich daher auf seine Aussagen.

 

Ich würde, falls jemand mit dem Gedanken spielt sich dieses Messer zu kaufen, auch dringenst empfehlen sich die Version mit "serrations" zu besorgen, wenn man rankommt. Das Messer wurde von mir ca. ½ Jahr bei sämtlichen dienstlichen und auch privaten Outdooraktivitäten geführt und ich habe in dieser Zeit viele gute Erfahrungen mit ihm sammeln können. Die Klinge ist auf extreme Schnitthaltigkeit ausgelegt und lässt sich (mit dem richtigen Stein) auch relativ leicht wieder abziehen. Trotz des Winkels und der Dicke der Schneide, die eher eine Axttätigkeit vermuten lassen, lässt sich das Messer problemlos auf Rasierschärfe bringen, was der obligatorische Unterarm-Rasiertest bewies. Nach dem Kleinholzmachen für ein Lagerfeuer kann man auch noch problemlos weiche Tomaten und andere Lebensmittel zerteilen. Der Kappklinge fallen sämtliche relevanten Leinen und Seile zum Opfer.

 

Generell muss man sagen, dass der Carbonstahl direkt an der nicht beschichteten Schneidekante zwar rein technisch zum rosten tendiert, aber bei meinem Messer konnte ich auch nach mehreren Tagen Dauereinsatz keinen Rost feststellen, obwohl das Messer (absichtlich) ohne Pflege wieder in der Scheide verstaut wurde. Dennoch sollte man seiner Klinge ab und an einen Öl-Lappen spendieren. An den beschichteten Stellen passiert überhaupt nichts. Die Beschichtung ist extremst widerstandsfähig. Sowohl nach dem Gebrauch durch den Vorbesitzer und nun auch durch mich lässt sich nirgends eine Scharte oder ein Kratzer in der Beschichtung erkennen. Die Beschichtungen von vielen meiner anderen Messer haben da schon  viel früher Schmisse davongetragen. Die Scheide besteht aus Kydex mit einer Cordura-Gürtelschlaufe in die man Koppel bis ca. 10 cm Breite schieben kann. Das Cordura-Stück ist am Kydexkörper mit 4 großen Nieten befestigt. An der 5cm breiten Cordura-Schlaufe befindet sich ein Dreisteg, mit dem man die Scheide an div. Ausrüstungsgegenständen befestigen kann, oder aber einen längeren Beinsteg einfädeln kann, um das Messer tiefer am Oberschenkel zu tragen.

 

Der Scheidenkörper hat 4 Schlitze und 8 Lochnieten um in allen möglichen Positionen an div. Ausrüstungsgegenständen befestigt werden zu können. Das Messer hält mittels Passform und einer flexiblen Klemmlippe von alleine in der Kydex-Scheide, lässt sich aber zusätzlich durch eine engsitzende Druckknopfschlinge sichern (Airborne lässt grüßen). Die Schlinge ist vernietet und kann um 360 Grad gedreht werden, so dass sie auch ein Linkshänder bequem öffnen kann. Das Messer sitzt zwar satt und rutschfest in der Scheide, der Ausziehwiederstand lässt sich aber problemlos mit einer Hand überwinden, ohne mit der anderen Hand die Scheide gegen ein "Mit-Hochziehen" sichern zu müssen. Alles in allem kann ich nach diesem ½ Jahr nur gutes an dem Messer finden, einzig das Gewicht ist ein Minuspunkt, wird aber durch sein Allround-Talent und seine Brachialfunktion gerechtfertigt.

 

Ob man es immer Griffbereit am Oberschenkel tragen muss, muss jeder selbst entscheiden, aber selbst im Rucksack verstaut, ist es ein treuer Begleiter, mit dem man in Europa und Nordamerika wohl jede Outdoorsituation meistern können müsste. Sehr interessant ist der relativ niedrige Preis, verglichen mit den Busse- und SwampRat-Messern, die im selben Aufgabenspektrum beheimatet sind. Dennoch bekommt man hier für rund 100€ kein Low-Budget-Produkt, sondern eine durchdachte Allzweckmesser/Beil/Macheten-Kombination mit "Überlebensgarantie". Nachdem ich das Messer überlassen bekommen hab, konnte ich finanziell eh nichts verkehrt machen, aber auch wenn es mich die 100€ gekostet hätte, wären sie gut und vernünftig angelegt gewesen. Wer einen treuen und erschwinglichen Outdoorbegleiter sucht, ist mit dem Camillus BK&T Campanion BK 2 garantiert gut beraten.

 

MkG

Dusty

 

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